Die Geschichte der  SPÖ

1919 - 2004


Von der Regierungsverantwortung in die Illegalität
 

Arbeiterkundgebung In der Regierung kann die Sozialdemokratie nun erstmals ihre Forderungen verwirklichen. In nur wenigen Monaten tut sie mehr für die arbeitenden Menschen als alle Regierungen vor ihr. Die Fronten verhärten sich aber. Nach Justizpalastbrand und Korneuburger Eid, der die Heimwehr auf autoritär-faschistische Ziele einschwört, setzen der Bürgerkrieg 1934 und der austrofaschistische Ständestaat der Demokratie ein Ende. Die Sozialdemokratie wird verboten. Der Nationalsozialismus wirft die ersten Schatten auf Österreich. Mit dem Anschluß Österreichs an Hitler-Deutschland, den viele in der Hoffnung auf Brot und Arbeit begrüßen, beginnt das schrecklichste und schmerzlichste Kapitel der österreichischen Geschichte.

                                                                                                            
16. Februar 1919
Bei der Wahl zur Konstituierenden Nationalversammlung sind erstmals auch Frauen wahlberechtigt. Die Sozialdemokratie wird stärkste Partei und bildet eine Koalition mit den Christlich-Sozialen.
Mai 1919 Wiener Gemeinderatswahlen: Von 165 Mandaten erhalten die Sozialdemokraten 100. Jakob Reumann wird der erste sozialdemokratische Bürgermeister von Wien.
10. September 1919 Staatsvertrag von St. Germain. Gesetz über den 8-Stunden-Tag. In Wien wird der erste Gemeindebau errichtet.
22. Oktober 1920 Die Sozialdemokraten gehen in die parlamentarische Opposition.
10. November 1920 Die neue Bundesverfassung tritt in Kraft.
Mai 1924 Gründung des “Republikanisches Schutzbundes” der Sozialdemokratischen Partei.
3. November 1926 Das “Linzer Programm” wird auf dem Parteitag beschlossen.
30. Jänner 1927 In Schattendorf/Burgenland schießen Frontkämpfer auf Schutzbündler.
15. Juli 1927 Der Freispruch der Schattendorf-Attentäter am Vortag fordert den Protest der Arbeiterschaft heraus. Erbittert ziehen die Arbeiter am Morgen in die Stadt. Der Justizpalast wird in Brand gesteckt. Zusammenstöße mit der Polizei fordern 85 Tote unter den Arbeitern und vier tote Polizisten; 600 Menschen werden verwundet.
           Die Heimwehren bekennen sich im “Korneuburger Eid” zum Faschismus: “... wir verwerfen den westlichen parlamentarischen Demokratismus.
7. März 1933 ”Kanzler Dollfuß schaltet das Parlament aus und proklamiert die autoritäre Führung der Staatsgeschäfte.
12. Februar 1934 Februar-Blutbad: Polizeibeamte dringen in das Linzer Parteiheim ein. Die Schutzbündler setzen sich zur Wehr, daraufhin bricht auch in Wien und anderen Industriestädten der Aufstand los. In Wien wird der Karl-Marx-Hof vom Bundesheer beschossen. Die Sozialdemokratie wird verboten, ihre Führung größtenteils verhaftet.
12. März 1938 Hitler marschiert in Österreich ein und verkündet den Anschluß.
1. September 1939 Deutsche Truppen besetzen ohne Kriegserklärung Polen. Der Zweite Weltkrieg beginnt.


Wiederaufbau und Wirtschaftswunder
 

Dr. Karl Renner Nach Gewaltherrschaft, Krieg und Vernichtung muß das Land aus Hunger, Zerstörung und Not wieder aufgebaut werden. Wie schon 1918 stehen auch 1945 die Sozialdemokraten an der Wiege der Republik. Die Erfahrungen aus der Zwischenkriegszeit verbinden die Politiker über Parteigrenzen hinweg im Bemühen, gemeinsam für den Wohlstand und die Souveränität Österreichs zu arbeiten. Bis 1966 sind SPÖ und ÖVP in einer Koalition. Dann scheidet die SPÖ aus der Regierung aus. Wenige Jahre später wird sie stärker denn je sein.

 

27. April 1945
Proklamation der “Provisorischen österreichischen Staatsregierung” durch Karl Renner und Leopold Kunschak über die Wiederherstellung der Republik.
April 1945 Neugründung der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ).
5. August 1945 Die erste Nummer der “Arbeiter-Zeitung” in der Zweiten Republik erscheint.
20. Oktober 1945 Karl Renner wird einstimmig durch die Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt.
14. und 15. Dezember 1945 Erster ordentlicher Parteitag seit 1933. Neuer Parteivorsitzender ist Adolf Schärf.
25. Juli 1946 Das Arbeiterurlaubsgesetz wird durchgesetzt.
Oktober 1950 Ein kommunistischer Putschversuch in Wien wird vereitelt.
31. Dezember 1950 Karl Renner stirbt.
27. Mai 1951 Theodor Körner wird Bundespräsident. In Frankfurt wird die Sozialistische Internationale neu gegründet.
15. Mai 1955 Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages erhält Österreich seine volle Souveränität wieder.
1. Jänner 1956 Das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) tritt in Kraft.
8. Mai 1957 Bruno Pittermann wird Parteivorsitzender.
28. April 1957 Adolf Schärf wird zum Bundespräsidenten gewählt; 1963 wieder für eine zweite Amtsperiode.
13. und 14. Mai 1958 Parteitag und neues Programm der SPÖ.
1. Jänner 1960 Außenminister Kreisky unterzeichnet den EFTA-Vertrag.
23. Mai 1965 Franz Jonas wird Bundespräsident.
18. April 1966 Nach knapp 21jähriger Zusammenarbeit mit der ÖVP scheidet die SPÖ aus der Regierung aus.
30. Jänner bis 1. Februar 1967 Bruno Kreisky wird am Parteitag zum Parteivorsitzenden gewählt.

 

Ein Vierteljahrhundert sozialdemokratischen Gestaltens
 

Bruno Kreisky 1970 wird zur Geburststunde des modernen Österreich. In 13 Jahren Alleinregierung und in den Koalitionen danach kann die SPÖ ihre Konzepte und Ideen weitgehend verwirklichen. Bruno Kreisky wird in der Aufbruchsphase der siebziger Jahre für eine ganze Generation zum Symbol der Modernisierung und Weltoffenheit. Die SPÖ öffnet sich für breite Bevölkerungsschichten. Die Veränderung der politischen Rahmenbedingungen verlangt nach einer breiten Zusammenarbeit. Eine international schlechtere wirtschaftliche Lage führt auch in Österreich zu Modernisierungen und wirtschaftlichen Reformen, die unter Franz Vranitzky forciert werden. Unter Vranitzky tritt Österreich in ein gemeinsames Europa ein. Mit dem Rückzug Vranitzkys aus seinen Regierungs- und Parteifunktionen bricht für die Sozialdemokratie eine neue Ära an. Der neue Vorsitzende Viktor Klima kündigt den Aufbruch ins neue Jahrtausend an.

 

  1. März 1970
Wahlsieg der SPÖ (relative Mehrheit). Kreisky bildet eine SPÖ-Minderheitsregierung.
  10. Oktober 1971 Bei Neuwahlen erringt die SPÖ zum ersten Mal die absolute Mehrheit.
  23. Juni 1974 Der SPÖ-Kandidat Rudolf Kirchschläger wird Bundespräsident.
  1. Jänner 1975 Die 40-Stunden-Woche tritt in Kraft.
  5. Oktober 1975 Neuerlicher Wahlsieg und Ausbau der absoluten Mehrheit.
  18. bis 20. Mai 1978 Der Parteitag beschließt das neue Parteiprogramm.
  6. Mai 1979 Weiterer Ausbau der absoluten Mehrheit auf 51 Prozent.
  24. April 1983 Die SPÖ erreicht die relative Mehrheit und bleibt mit Abstand stärkste Partei. Ein Monat später bildet der neue Bundeskanzler Fred Sinowatz eine Koalitionsregierung mit der FPÖ.
  27. bis 29. Oktober 1983 SPÖ-Parteitag: Sinowatz wird Parteivorsitzender.
  16. Juni 1986 Franz Vranitzky

Franz Vranitzky wird Bundeskanzler.


  16. September 1986 Nach der Wahl Jörg Haiders zum FPÖ-Obmann löst Vranitzky die “Kleine Koalition” auf. Aus den Neuwahlen im November geht die SPÖ wieder als stärkste Partei hervor. Im Jänner 1987 kommt es zur Großen Koalition zwischen SPÖ und ÖVP.
  11. Mai 1988 Ein außerordentlicher Parteitag wählt Vranitzky zum neuen Bundesparteivorsitzenden.
  29. Juli 1990 Bruno Kreisky stirbt in Wien.
  7. Oktober 1990 Bei den Nationalratswahlen wird die SPÖ wieder stärkste Partei. Neuerliche Koalition mit der ÖVP.
  14. und 15. Juni 1991 Der SPÖ-Bundesparteitag beschließt u.a. , daß die SPÖ nun “Sozialdemokratische Partei Österreichs” heißen soll.
 

3. und 4. Juni 1993

FrauenquoteBeim SPÖ-Bundesparteitag wird mit dem Beschluß des neuen Organisationsstatuts die Partei auch für Nicht-Mitglieder geöffnet. Das neue Statut sieht u.a. Vorwahlen und eine Frauenquote auf allen Listen von 40 Prozent, zu erreichen in zehn Jahren, vor.
  12. Juni 1994 Über 66 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen stimmen für den von der SPÖ befürworteten Beitritt zur Europäischen Union.
  9. Oktober 1994 Trotz eines enttäuschenden Wahlergebnisses bleibt die SPÖ stärkste Partei.
  1. Jänner 1995 Österreich wird Mitglied der EU.
2. bis 4. Oktober 1995 Der 34. SPÖ-Bundesparteitag nimmt den Entwurf zum neuen Parteiprogramm an und setzt damit das Startsignal für eine breite Programmdiskussion.
  17. Dezember 1995 Die durch den Bruch der Koalition seitens der ÖVP notwendigen Neuwahlen bringen für die SPÖ wieder einen deutlichen Stimmenzuwachs. Sie wird mit vergrößertem Abstand stärkste Partei in Österreich.
 

12. März 1996

Das Kabinett Vranitzky V - eine Koalition der SPÖ mit der ÖVP - wird vom Bundespräsidenten angelobt.
16. Juni 1996
Franz Vranitzky feiert sein zehnjähriges Jubiläum als Bundeskanzler.
  18. Jänner 1997 Vranitzky/KlimaFranz Vranitzky tritt als Bundeskanzler und Parteivorsitzender zurück. Als Nachfolger schlägt er der SPÖ Finanzminister Viktor Klima vor, der am 28. Jänner als Bundeskanzler angelobt wird.
 

9. April 1997

Viktor KlimaDer 35. SPÖ-Parteitag steht unter dem Eindruck des Wechsels an der Spitze der SPÖ. Franz Vranitzky wird von der Partei als Vorsitzender verabschiedet, Viktor Klima mit überwältigender Mehrheit zum neuen Vorsitzenden gewählt.
  30. Oktober 1998 Bei einem außerordentlichen Parteitag beschließt die SPÖ ein neues Parteiprogramm: Die Grundwerte der Sozialdemokratie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind darin nach wie vor gültig. Das neue Programm steht aber vor allem auch für die Modernität und den Veränderungswillen der SPÖ. Beim Sonderparteitag beschließt die SPÖ außerdem ein neues, offeneres Organisationsstatut. Äußerliches Symbol für die Erneuerung ist das neue Parteilogo.
  3. Oktober 1999 Bei der Nationalratswahl muss die SPÖ zwar Stimmenverluste hinnehmen, sie bleibt aber stimmenstärkste Partei und erhält von Bundespräsident Thomas Klestil im Dezember den Auftrag zur Regierungsbildung. Die Sozialdemokratie tritt in Verhandlungen mit der Volkspartei, die bei den Wahlen von der FPÖ auf Platz drei verdrängt wurde. Die ÖVP lässt die Regierungsverhandlungen jedoch scheitern und bildet im Februar 2000 unter heftigem nationalen und internationalen Protest eine Koalition mit Jörg Haiders FPÖ. Nach 30 Jahren befindet sich die SPÖ erstmals wieder in Opposition.

 

  29. April 2000 Am 36. Ordentlichen Bundesparteitag in Wien-Oberlaa legt Viktor Klima den Parteivorsitz zurück. Alfred Gusenbauer, der erst wenige Wochen davor zum SPÖ-Bundesgeschäftsführer bestellt worden war, wird zum neuen Vorsitzenden gewählt. In seiner zukunftsweisenden Rede proklamierte Gusenbauer den Neustart für seine Partei und positionierte die Sozialdemokratie als sachlich orientierte Oppositionspartei mit dem klaren Ziel, die Regierungsverantwortung zurückzuerobern.

 

  6. April 2000 SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer gibt eine Grundsatzerklärung zur Aufarbeitung des NS-Erbes in der Zweiten Republik ab. Titel der Erklärung: "Klarheit in der Vergangenheit - Basis für die Zukunft".